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Autor Thema: Hypnose, Trance und das Unbewusste  (Gelesen 951 mal)

Offline JD

  • Beiträge: 13
Hypnose, Trance und das Unbewusste
« am: 06. Mär 2017, 23:19 Uhr »
Hallo,
bin Momentan dabei mich etwas näher mit dem Unterbewusstsein zu beschäftigen.
Das darf für mich dann auch ein wenig über Hypnose hinausgehen.
Habe mich aber dennoch entschieden, dass jetzt hier zu posten da beides doch recht nah bei einander ist.

Was mich im speziellen interessiert ist, in wie weit man das Unterbewusstsein beweisen kann und definieren kann (weil das ja der Ausgangspunkt jeder weiteren Arbeit wäre).
Hier würde ich dann einfach mal auf die Studien mit unterschwelligen Reizen verweisen und es somit als Bewiesen betrachten, dass es etwas "Anderes" geben muss. Nennen wir unconcious oder subconcious.

Damit hätten wir ja den ersten Grundstein.
Der Zweite fällt dann doch wesentlich schwerer...
Man kann natürlich einfach sagen: Der Rest!
Aber das ist irgendwie nicht sehr zufrieden stellend.

Was ich also Momentan suche ist eine Empfehlung für ein Buch oder eine Reihe von Büchern oder eine allgmeine Quelle, um da mal ein bisschen Licht in mein Dunkel zu bringen.
Es sollte sich, wenn möglich mit den Grenzen des Unterbewusstseins beschäftigen. Also was Wahrnehmung und Einfluss auf den Körper angeht. Und in wie fern Unterbewusstsein und Bewusstsein zusammenspielen. Also ziemlich allgemein ;D

Es darf auch Fachsprache sein, da kaue ich mich dann schon durch ;)

Offline Lutz

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Re: Hypnose, Trance und das Unbewusste
« Antwort #1 am: 07. Mär 2017, 01:52 Uhr »
Hallo JD,

in der Überschrift sprichst du vom "Unbewussten", später im Text dann vom "Unterbewusstsein". Damit fängt schon das erste Problem an, denn in der Fachliteratur können da durchaus Unterschiede gemacht werden. Man kann das UB (ich kürze es hier feige ab, um alle Deutungsmöglichkeiten offen zu lassen) z.B. tiefenpsychologisch/psychoanalytisch, neurobiologisch/neuropsychologisch, wahrnehmungspsychologisch oder auch philosophisch betrachten und dann damit ganz Unterschiedliches meinen.

Freud z.B. spricht in seinen Thesen zur Psychoanalyse vom "Unterbewusstsein" und trifft da u.a. Unterscheidungen in Richtung von "Ich, Über-Ich und Es". Er hat wohl den Begriff des Unterbewusstseins populär gemacht (obwohl er den Gedanken des Unterbewusstseins nicht "erfunden" hat, derartige Überlegungen gab es schon vorher). Viele Hypnotiseure übernehmen diesen - missverständlichen - Begriff, während in der hypnotischen Fachliteratur meist besser vom "Unbewussten" gesprochen wird, um diesem Missverständnis zu entgehen.

In der Hypnose meint man mit dem Unbewussten all jene "intern" im Gehirn (und an anderen Stellen?) ablaufenden psychologischen Prozesse, auf die man keinen willentlichen (bewussten) Einfluss hat. Das sind z.B. Prozesse der Wahrnehmung, der Bewertung, der Entscheidung, des Gedächtnisses usw. Dass es solche Prozesse gibt, ist dabei völlig unstrittig und muss nicht bewiesen werden.

Der Eine hat z.B. Blau als Lieblingsfarbe, der Andere Rot. Der Eine mag klassische Musik, der Andere Marschmusik. Der Eine mag die Berge, der Andere die See usw. Es sind jeweils unbewusste Prozesse, die zu den (unterschiedlichen) Ergebnissen führen. Und man kann allein mit willentlicher/bewusster Anstrengung nicht mal eben umswitchen von Rot auf Blau, das geht nicht. Letzteres zeigt sich beispielsweise auch bei Ängsten/Phobien: Man kann mit seiem bewussten Verstand noch so gut wissen, dass Spinnen einem hier nichts anhaben können, wenn man aber eine Spinnenphobie hat, rastet man aus, wenn man eine Spinne sieht, dagegen ist kein (bewusstes) Kraut gewachsen.

Erschwert wird das Verständnis für das Unbewusste dadurch, dass die Begrifflichkeit "das Unbewusste" verdinglichend nahelegt, dass dies ein autonomer Teil in uns wäre, irgend so ein nerviger Kloß im Gehirn, vielleicht hinten links im Kopf. Aber das ist natürlich Unsinn, es ist nur eine sprachliche Metapher für Prozesse, die eben im Verborgenen, man könnte auch sagen "im Hintergrund", ablaufen.

Um sich dieser Thematik zu nähern, gibt es viele "Einstiegspunkte". Letztlich hat in der Psychologie und Psychotherapie wirklich alles mit unbewussten Prozessen zu tun - und das ist auch kein Wunder, denn unbewusste Prozesse sind wirklich an allem beteiligt, was einen Menschen (oder Menschengruppen) psychologisch ausmacht. Man könnte also irgend ein Fachbuch lesen, dessen Titel irgendwas mit "Psycho..." zu tun hat.

Ich hatte mich früher mit der Wahrnehmungspsychologie beschäftigt, bei der unbewusste Vorgänge eben auch eine sehr große Rolle spielen. Im Nachhinein empfinde ich das als sehr hilfreich, weil es mir - unabhängig von therapeutischen Schulen und Glaubensrichtungen - so manchen Zahn gezogen hat in Bezug auf die bis dahin von mir irrig angenommene Dominanz des Verstandes. Vielleicht ist dies ja auch für dich ein lohnenswerter Bereich für ein Verständnis unbewusster Vorgänge. Allerdings kann ich dir dazu keine aktuelle Literatur nennen, weil es bei mir schon zig Jahre her ist; inzwischen gibt es da sicherlich Besseres.

Am Rande: Aus der Existenz des Unbewussten ergibt sich die "Daseinsberechtigung" für helfende Hypnose, denn mit ihr kann tatsächlich oft auf unbewusste Prozesse ein konstruktiver Einfluss genommen werden. Und dann sind Spinnen plötzlich nicht mehr gefährlich... ;)

Lieben Gruß
Lutz

Offline JD

  • Beiträge: 13
Re: Hypnose, Trance und das Unbewusste
« Antwort #2 am: 07. Mär 2017, 10:01 Uhr »
Hallo,
danke für die ausführliche Antwort.

Bin, wie gesagt, gerade erst dabei mir darüber ein genaueres Bild zu machen und dein sehr einfacher, zielführender, Beweis des UB hat mir da schon weitergeholfen. Das man das UB nicht lokalisieren kann hatte ich schon früher gelesen. Das stellt mich aber irgendwie nicht zufrieden, da man ja theoretisch alles lokalisieren können müsste (auch wenn es, wie ich annehme, sich vielleicht eher um einen komplexen Zusammenschluss mehrerer einzelner Teile handelt).
Ich nehme jetzt mal einfach mal an, dass da die Forschung noch nicht weitgenug ist.

Die Wahrnehmungspsychologie als Einstieg zu nehmen finde ich eine gute Idee. Da man dort sicherlich genug Studien finden kann, die bestimmte Phänomene be- oder wiederlegen.

mfg Natan

Offline Lutz

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Re: Hypnose, Trance und das Unbewusste
« Antwort #3 am: 07. Mär 2017, 14:20 Uhr »
Hallo Natan,

Zitat
Das man das UB nicht lokalisieren kann hatte ich schon früher gelesen. Das stellt mich aber irgendwie nicht zufrieden, da man ja theoretisch alles lokalisieren können müsste...

Die Orte, an denen Arbeitsprozesse im Gehirn stattfinden, kann man heutzutage recht gut lokalisieren. Da gibt es z.B. einmal die "funktionelle Magnetresonanztomographie", mit der man zeigen kann, welche Gehirnareale bei welchen Aufgaben besonders aktiv werden. Und es gibt auch die Erfahrungen mit Unfallpatienten. Wenn ein bestimmter Teil des Gehirns durch mechanische Einwirkung beschädigt ist, kann man anschließend zwangsläufig erkennen, welche Aufgaben eben nicht mehr bewältigt werden können und damit im Rückschluss wissen, wofür das betreffende Hirnareal schwerpunktmäßig diente.

Was ich meinte, ist, dass es eben nicht eine zentrale Stelle für die jeweils unbewussten Anteile aller Gehirnleistungen gibt, die man dann "das Unbewusste" nennen könnte, sondern dass je nach Aufgabenstellung ganz unterschiedliche Bereiche des Gehirns (zusammen-) arbeiten und dann eben jeweils unterschiedliche Prozesse an unterschiedlichen Stellen für die unbewussten Anteile verantwortlich sind. Unbewusste Prozesse gibt es überall, deshalb kann man sie nicht lokalisieren.

Man kann es auch andersrum formulieren: Das Gehirn arbeitet ständig und ganz grundsätzlich erstmal "unbewusst". Selbst wenn man nichts tut und auf dem Sofa gedankenlos vor sich hindöst, kann man mit einem vergleichsweise simplen EEG-Gerät messen, dass währenddessen im Gehirn ein Riesenalarm ist; Milliarden Gehirnzellen arbeiten dabei aktiv zusammen, tauschen sich aus und erzählen sich wer weiß was. Man spürt davon nichts, geschweige denn, dass man dieses Treiben irgendwie kontrollieren könnte. Dann fällt uns plötzlich ein, dass man ja noch den Müll rausbringen sollte, was ein Zeichen dafür ist, dass in dem Moment ein mini-minimaler Teil der Gehirnarbeit bewusst wird - während das Gehirn aber schon wieder Millionen weiterer Informationen unbewusst verarbeitet hat.

Lieben Gruß
Lutz

 

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