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Autor Thema: Entspannung messen  (Gelesen 3861 mal)

Offline Lutz

  • Admin
  • Beiträge: 3.011
  • Geschlecht: Männlich
Entspannung messen
« am: 17. Feb 2015, 14:17 Uhr »
Hallo ihr,

im Zusammenhang mit Hypnose und Trance taucht manchmal das Thema auf, Trancetiefen messtechnisch erfassen zu wollen. Um das zu können, müsste man sich erstmal einigen, was Trancetiefe denn überhaupt ist. Und man könnte sich darüber streiten, ob die manchmal angeführten "subjektiven" Messungen (Produzieren einzelner Trancephänomene, sich auf einer Skala von 1-100 eine Trancetiefe nennen lassen, sich eine Trancetiefe z.B. am Türrahmen anzeigen lassen usw.) irgendwas taugen oder letztlich nur Spielkram sind.

Das alles möchte ich hier mal ausklammern, denn hier soll es nur um "objektive" Messverfahren mit Instrumenten gehen. Doch auch in diesem Bereich sind mir zumindest keinerlei Messverfahren bekannt, die sinnvoll und nachvollziehbar eine Trancetiefe erfassen könnten.

Also schaltet man einen Gang runter und begnügt sich mit einer Messung wenigstens der Entspannung, wenn schon nicht der Trancetiefe. Dabei darf man dies keineswegs gleichsetzen oder das Eine vom Anderen abhängig machen, denn man kann ja auch intensiv eine Trance erleben und währenddessen etwas Aufwühlendes und Anstrengendes visualisieren mit der Folge, dass man dabei eben überhaupt nicht entspannt ist (wie man ja auch tief schlafen und in einer Traumphase dennoch schweißgebadet um sich schlagen und mit Monstern kämpfen kann).

Zur Erfassung der Entspannung wird jedenfalls gern der Hautwiderstand gemessen (auch verwendete Bezeichnungen des Messverfahrens: Hautleitwert, elektrodermale Akitivität). Mit zwei Elektroden an den Fingern und z.B. einem einfachen Multimeter misst man während einer Hypnose den (sich ändernden) elektrischen Widerstand, der abhängig von der Schweißproduktion steigt oder sinkt, weil Schweiß salzhaltig ist und den Strom besser leitet. Und wann produziert man mehr Schweiß? Wenn man angespannter, erregter ist.

Also stellt man eine Beziehung zwischen elektrischem Widerstand und (vermuteter) mentaler An- und Entspannung her. Ich benutze dieses einfache Verfahren selbst seit Jahren, nicht im Praxisalltag, aber bei Forschungsreihen, Vorträgen oder Seminaren. Das funktioniert meist recht gut.

Meist. Aber nicht immer.
Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder Messungen durchgeführt, bei denen die Probanden ein anderes Empfinden berichteten, als die Ergebnisse der Widerstandsmessung nahelegten. Manche berichteten von einer angenehmen, entspannenden Trance, während der aber der Widerstand sank (und damit eine vermehrte Schweißproduktion anzeigte).

Und in zahlreichen Selbstversuchen hatte ich auch bei mir immer wieder Messungen erlebt, bei denen die Messergebnisse mit dem persönlichen Empfinden nicht zusammenpassten. Deshalb habe ich in Verbindung mit der Entwicklung des HYPNOseda-Verfahrens (> Forumsbeitrag <, > Homepage<) nach einem Messverfahren gesucht, das eine empfundene Entspannung tatsächlich treffend zuverlässig in Zahlen abbildet und auch noch im Praxisalltag praktikabel und bezahlbar ist.

Ich habe mir Literatur reingezogen, Messinstrumente angeschafft und natürlich Testmessungen durchgeführt. Zur Disposition standen dabei neben der Widerstandsmessung noch EEG, EMG (Muskelspannung), Pulsmessung, Oximeter (Sauerstoffsättigung des Blutes), Hauttemperatur, Messung der Kopfbewegungen und EOG (Messung der Augenbewegungen). Bei manchen Messverfahren konnte ich auf bereits früher erhobene Daten zurückgreifen.

Langer Rede kurzer Sinn:
Die Messung der Pulsfrequenz, also die Häufigkeit, mit der das Herz schlägt, hat sich als einfaches und aussagekräftiges Instrument erwiesen, um die Entwicklung der subjektiven An- oder Entspannung messtechnisch abzubilden - viel besser, als der Hautwiderstand! Je niedriger der Puls, desto größer die Entspannung.

Dabei sollte man bei der Bewertung der Messergebnisse aber berücksichtigen: Die Ergebnisse gelten nur "intraindividuell", also jeweils nur für die Entwicklungen der einen, gemessenen Person.

- Wenn jemand einen Ruhepuls von 75 hat, heißt das nicht, dass derjenige automatisch weniger entspannt wäre als eine andere Person mit einem Puls von 70;
- Wenn jemand einen Pulsanstieg von 10 Punkten aufweist, bedeutet dies nicht, dass der nun eine größere Anspannung erlebt als ein anderer, der 5 Punkte zulegt (hier spielt auch die sogenannte Herzratenvariabilität eine Rolle, also wie flexibel das Herz des Einzelnen überhaupt auf An- oder Entspannung reagiert).

Um Entwicklungen innerhalb einer Person festzustellen und messtechnisch zu erfassen, funktioniert das Verfahren aber gut und ist dazu noch schnell, einfach und kostengünstig durchzuführen. Sogenannte "Pulsoximeter" (die nebenbei auch noch die Sauerstoffsättigung des Blutes messen, was aber für die Entspannung irrelevant ist), kosten etwa zwischen 20 und 80 € und werden einfach auf den Finger aufgesteckt. Bei einer Anschaffung sollte man aber auf Details achten:

- Billige Geräte messen den Puls, zeigen ihn an, speichern ihn aber nicht (eignen sich also nicht für spätere genaue statistische Auswertungen, es sei denn, man guckt ständig auf das Gerät und schreibt den angezeigten Wert mit);

- Manche Geräte speichern die Werte, übertragen sie aber nicht "live" zu einem Rechner, so dass sie also während einer Sitzung nicht überprüft werden können;

- Nur etwas teurere Geräte speichern die Werte und übertragen sie gleichzeitig live per USB an einen Rechner, wo sie dann schon während einer Sitzung als Wert und als Kurve angezeigt werden.

Wer also An- oder Entspannung messen möchte, ist mit so einem Teil besser beraten als mit der verbreiteten Widerstandsmessung. Diese Erfahrung wollte ich hier für Interessierte einfach mal teilen.

Wer dazu noch Fragen hat, kann mich gerne zum Ausquatschen ausquetschen. ;)

Lieben Gruß
Lutz

 

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